Was lernen wir daraus?

Der vierte BLL-Mediendialog in Berlin thematisierte heute "Fake oder Wahrheit" und die Grenzen der Vereinfachung.

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Bild: Christoph Freitag

Zum vierten Mal lud der BLL heute zum Mediendialog ein. Nach Gasometer, Admiralspalast und Bar Jeder Vernunft hatte er mit dem Zoo Palast erneut eine außergewöhnliche und doch passende Location gefunden. "Kino ist Fake, das wir lieben", so BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff. Auch die Themen waren spannend: "Fake oder Fakten, Lüge oder Wahrheit – Information im 21. Jahrhundert" und "Kapitulation vor der Komplexität – die Stunde der Vereinfacher" wurden von zwei hochkarätig besetzten Panels ausgiebig diskutiert. Doch der lange Vormittag reichte nicht, die gesteckten Ziele zu erreichen. Viele Fragen wurden angeschnitten, wenige ausdiskutiert.

Was sind Fakten?

"Fakt ist:" – diese Aussage ist an sich schon eine Lüge, so Prof. Dr. Norbert Bolz (TU Berlin), denn alle Aussagen sind notwendigerweise nur Ausschnitte aus der Realität, das Ergebnis von – interessengeleiteten – Auslassungen und Interpretationen und selbst offen für Interpretationen. Der Medienwissenschaftler beschrieb damit für Nachrichten, was seit Adorno für die Wissenschaft gilt: Es gibt keine werturteilsfreien Aussagen.

Wer macht Fake News?

"Fake News sind immer die anderen", folgerte daraus Axel Wallrabenstein, Chairman von MSL Germany. Dennoch sah er im Gegensatz zu den anderen Diskutanten in den neuen Medien eine Chance. Die Möglichkeit für jeden, per Blog, Facebook und Co. mitzudiskutieren und die öffentliche Meinung mitzubestimmen, sei ein Fortschritt, befand er. Tatsächlich scheinen die meisten Bürger diese Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit der neuen #Medien richtig einschätzen zu können, wie eine per Video eingespielte Umfrage unter Berliner Passanten darstellte.

Für Prof. Dr. Frank Überall, dem Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands, waren neuen Medien als der "geschriebene Stammtisch" zwar suspekt, dennoch war für alle klar: Das kriegen wir nicht mehr weg.

Auf den Absender kommt es an

An dieser Stellte fehlte dann leider das klare Fazit, wie Verbände, Journalisten und Politiker denn mit der Vielfalt aus alten und neuen Medien umgehen sollten. Den Journalisten empfahl Prof. Bolz, wieder klarer zwischen Meinung und Information zu unterscheiden. Dem pflichtete die Bundessprecherin der Grünen Jugend, Jamila Schäfer, wenig später indirekt bei, indem sie betonte, dass bei allen Aussagen klar sein müsse, welche Absicht dahinter stehe. An praktischer Anleitung für Medienmacher war’s das dann aber leider auch schon.

Dennoch war der Vormittag interessant und auch vergnüglich. In bewährter Manier "stritten" sich Jakob Augstein (Der Spiegel) und Nikolaus Blome (BILD) – diesmal über die Frage, ob es erlaubt sei, Meldungen zu vereinfachen. Verkürzung sei schon aus Platzgründen notwendig, meinte Nikolaus Blome – durch Zuspitzung ließen sich Aussagen aber auch klarer fassen. Diese Arbeit wollte sich Jakob Augstein nicht machen, der lieber Sätze mit mindestens "drei Kommata" formuliert sehen wollte. Allerdings musste auch er zugeben, dass viele Leser die Vereinfachung wollen, um "auf der guten Seite zu stehen".

Ausblick

Auch beim vierten BLL-Mediendialog war die Zeit zu knapp – die Diskussion wird in der täglichen Arbeit weitergehen. Wir dürfen uns schon auf den fünften Mediendialog im kommenden Jahr freuen. Wo der stattfinden wird, wurde noch nicht verraten.

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